Filipino Martial Arts

Filipino Martial Arts (FMA) ist ein international etablierter Sammelbegriff für alle philippinischen Kampfkünste. In populären Medien stößt man am ehesten auf die Begriffe Arnis, Escrima und Kali, wenn von den Kampfschulen der Philippinen die Rede ist.

Kampfsport für Jedermann

Diese Benennungen stehen hauptsächlich für eine bewaffnete Kampfkunst aus Südostasien, welche sich mit unterschiedlichen Waffenarten, aber auch dem unbewaffneten Kampf (Panantukan, Sikaran, Dumog) beschäftigt.

Escrima

Escrima gilt als Ableitung des spanischen Wortes esgrima (fechten) und wurde vermutlich zum ersten Mal von Spanieren verwendet und dann von den Filipinos übernommen.

Bezeichnend für Escrima ist die Integration spanischer Schwerttechniken in die eigene Kampkunst. Zuerst wurde Escrima von philippinischen Söldnern praktiziert, die im spanischen Dienst standen.

Die andere Beschaffenheit der Waffen bewirkte eine sehr schnelle Veränderung der eigenen Techniken. Schläge und Stiche wurden flexibler und präziser als zuvor.

Kali

Hierüber existieren verschiedene Annahmen. Eine Möglichkeit wäre, dass es sich um eine Verschmelzung der Worte Kamut (Hand) und Lihog (Bewegung) also „Bewegung der Hand“ handelt.

Eine andere könnte eine auf den Visayas und der Insel Mindanao gebräuchliche alte Sammelbezeichnung für scharfe Klingenwaffen aller Art sein. Die dritte Variante deutet Kali als eine Ableitung der alten indonesischen Kampffechtkunst „Tjakalele“.

Arnis

Der eigentliche Name lautet „arnes de mano“ (Schutz der Hand, Handschützer).

Die einen behaupten, es würde sich hierbei um die Bezeichnung für die Handkörbe an den Schwertern der Spanier handeln. Andere vertreten die Auffassung, es wären die ledernen Unterarmschützer der Spanier.

Wieder andere sind der Ansicht, der Begriff Arnis sei auf Grund der Rüstung der Spanier, die nur an den nicht geschützten Stellen verwundbar waren, entstanden.


Panantukan, Suntukan-Boxing (Philippinisches Boxen)

Während im westlichen Boxen nur Faustschläge und Stöße erlaubt sind, kommen beim philippinischen Boxen zusätzlich Ellbogenschläge zum Kopf, leichte Würfe und auch Grifftechniken zum Einsatz.

Wird der Gegner zu Boden gebracht, so ist es beim philippinischen Boxen üblich, auch hier weiter zu schlagen. Dies ist im westlichen Boxen verboten.

Sikaran, Pananjakman (Philippinisches Kick- und Thai-Boxen)

Diese beiden Systeme bestehen überwiegend aus Tritttechniken, die aus einer weiten Distanz ausgeführt werden. In der mittleren- und Nahdistanz kommen eher Knietechniken zum Einsatz.

Das Pananjakman beinhaltet Tritte unterhalb der Gürtellinie, wobei im Sikaran auch Tritte oberhalb der Gürtellinie zu finden sind. Der Kämpfer deckt dabei seinen Oberkörper und versucht, vernichtende Tritte gegen Oberschenkel, Knie oder Schienbein des Gegners zu setzen.

Außer den Tritttechniken beinhalten die Systeme auch effektive Blocktechniken gegen Beinangriffe, die als eine Form der Selbstverteidigung, als Kampfkunst und – sport ausgeführt werden. Hohe Tritte werden allerdings weitestgehend vermieden. Sikaran ist mit der Sportart Kickboxen und Pananjakman eher mit dem Muay Thai vergleichbar.

Dumog, Buno/ Buno Brazo

Das Dumog bzw. Buno/ Buno Brazo kann als die philippinische Kunst des Grapplings bezeichnet werden. Mit diesen Techniken soll der Angreifer aus dem Gleichgewicht gebracht und geworfen werden. Zudem kommen auch Techniken für den Kampf aus der Bodenlage zum Einsatz.

Zwar werden es viele vermeiden, in die Bodenlage zu geraten, aber sollte man dennoch zu Boden kommen, ist es sinnvoll, Techniken zu beherrschen, die einem hier weiterhelfen können.

Waffen

Ein Teilbereich des YAKKA Fight Systems beschäftigt sich mit dem Kampf mit Waffen.

Doppelstock

Dieses Training fördert die koordinativen Fähigkeiten, denn es wird gleichzeitig mit zwei Stöcken gearbeitet. Dabei werden im Training Schlagmuster einstudiert (Sinawali).

Stock

Der Stock ist die wohl bekannteste Waffe der philippinischen Kampfkünste. Wenn man mit ihm umgehen kann, ist die Übertragung dieser Fähigkeiten auf andere Gegenstände möglich. Weiterhin dient er als Wegbereiter des Messers und des Schwertes. Der Stock wird in unterschiedlichen Materialien, wie zum Beispiel Rattan, verwendet. Je nach Distanz zum Angreifer werden unterschiedlich lange Stöcke benutzt. Für normale Stockabwehrtechniken wird ein Rattanstock mit einer Länge von ca. 70cm eingesetzt.

In der Sumbrada-Distanz wird ein kürzerer, ca. 60cm langer Stock verwendet und in der langen Distanz (larga mano) ist der Stock auch schon mal über 1m lang und reicht bis zur Schulterhöhe des Trägers. Die optimale Dicke des Stocks ermittelt man, indem man diesen in die Hand nimmt. Zwischen Finger und Ballen sollte ein kleiner Spalt vorhanden sein. Sind die Stöcke dünner oder dicker, dann liegen sie nicht richtig in der Hand und können Schmerzen in Hand und den Handgelenken verursachen.

Dulo y dulo, Palmstick, Tessen (Nervenstock)

Der Nervenstock ist etwas größer als die Handfläche eines Menschen. Er sackt zur linken und rechten Seite etwas nach außen. Die Enden können konisch zulaufen. in der Mitte des Stocks kann eine Schlaufe oder ein Ring befestigt werden, den man über den Mittelfinger führen kann. Dies bringt den Vorteil, dass der Stock nicht so einfach verloren werden kann.

Durch die geringe Größe des Nervenstocks ist dieser vom Gegner nicht einfach zu erkennen, so dass er zum einen schnell und gezielt gegen Vitalpunkte des gegnerischen Körpers eingesetzt und zum anderen für Hebeltechniken genutzt werden kann.

Dolch/ Messer

Seit Urzeiten wird das Messer vom Menschen zur Verteidigung und zum Angriff verwendet. Hier gibt es vielfältige Trainingsmethoden (drills) zur Verteidigung. Eine verletzungsfreie waffenlose Verteidigung gegen einen Messerspezialisten ist jedoch so gut wie unmöglich.

Zwei Dolche/ Messer

Die Übung mit zwei Messern entspricht derjenigen mit zwei Stöcken. Hervorzuheben sind hier die Gunting- (Schere)Techniken, die darauf abzielen, den Angreifer mit einer Klinge zu schneiden und sofort mit der anderen zu sichern.

Bolo, Machete, Kurzschwert

Die Machete ist ein wichtiges Werkzeug der Filipinos, um sich im Dschungel einen Weg zu bahnen. Sehr schnell lässt sie sich auch als Waffe einsetzen.

Zwei Schwerter oder zwei Macheten

Auch hier werden die Prinzipien des Doppelstocks angewendet. Man vermutet, dass hier Kenntnisse der thailändischen Kampfsysteme (Krabi Krabong) Einfluss genommen haben.

Schwert und Dolch oder Stock und Dolch

„Espada y Daga“ nennt sich diese Methode und zeigt die stärkste Verbindung zu Europa. Das Schwert und der Dolch waren zur Zeit der Renaissance die gebräuchlichsten Waffen. Es gibt einige Varianten zum Einsatz dieser Waffen, aber zumeist wird das Schwert oder der Stock in der rechten Hand gehalten, um damit stechen bzw. schlagen zu können. Aus der linken Hand heraus wird das Messer zum Stechen und Schneiden geführt.

Schwert und Schild oder Stock und Schild

Überall auf der Welt wurde der Schild in früheren Kampfformen zur Verteidigung eingesetzt. Man konnte Angriffe abblocken und mit dem Schild auch schlagen.

Tonfa (Polizeistock)

Die Tonfa ist die einzige Waffe, die nicht zu den typisch philippinischen Waffen zählt. Vielmehr wurde sie in Okinawa von Bauern als Arbeitsgerät entwickelt. Sie ist ca. 60cm lang und hat einen Haltegriff, der im 90 Grad Winkel zum Schlagstock steht.

Heute wird die Tonfa von Polizeikräften als Block- sowie Schlagwaffe genutzt und ist deshalb allgemein auch als Polizeistock bekannt.

Alltagsgegenstände

Selbst die einfachsten Alltagsgegenstände wie z.B. eine Zeitung, ein Regenschirm, ein Handy oder ein simples Brillenetui können durch die erlernten Fähigkeiten im Ernstfall zu einer Waffe im Kampf umfunktioniert und eingesetzt werden.